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21.01.20267 Min. Lesedauer

Glutenunverträglichkeit verstehen – Symptome, Ursachen & Ernährung ohne Gluten

Wer sich nach Brot, Pasta oder Gebäck regelmäßig unwohl fühlt, stößt schnell auf das Thema Glutenunverträglichkeit. Doch nicht jede Reaktion auf glutenhaltige Lebensmittel hat die gleiche Ursache. Wir geben Ihnen einen Überblick, was genau Gluten ist, wann es zu Beschwerden kommen kann und was Sie bei einer Reaktion auf Gluten tun können.

 
 
Glutenunverträglichkeit
 
 
 

Was ist Gluten? Und warum reagiert der Körper darauf?

Unter Gluten versteht man ein Eiweiß, das in vielen Getreidesorten vorkommt, vor allem in Weizen, Roggen, Gerste und verwandten Getreiden. Dieses Eiweiß macht beispielsweise den Teig von Brot und Pasta elastisch. Für die meisten Menschen ist Gluten kein Problem – der Verdauungstrakt kann es gut verarbeiten. Bei manchen Menschen jedoch reagiert der Körper empfindlich auf Gluten oder andere Bestandteile dieser Getreide, und es kommt zu Beschwerden nach dem Essen.

Manchmal spricht man im Alltag pauschal von Glutenunverträglichkeit, dabei werden darunter verschiedene medizinisch unterschiedliche Reaktionen zusammengefasst. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Ursache, sondern auch in der Diagnose und den Konsequenzen für den Alltag.

 
 

Glutenunverträglichkeit, Zöliakie oder Weizensensitivität? Die wichtigsten Unterschiede

Zöliakie

Die Zöliakie ist die bekannteste und am besten erforschte Form einer Glutenunverträglichkeit. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem erkennt Gluten fälschlicherweise als Bedrohung und greift nicht nur das Eiweiß selbst an, sondern irrtümlich auch Teile des eigenen Körpers – konkret die Schleimhaut des Dünndarms. Diese Schädigung der Darmwand verhindert, dass der Körper Nährstoffe richtig aufnehmen kann.

Bei Zöliakie reichen schon kleinste Glutenmengen, um diesen Prozess auszulösen. Manche Betroffene spüren sofort Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Blähungen, bei anderen treten zunächst unspezifischere Symptome auf, etwa Müdigkeit oder Eisenmangel. Auch wenn keine akuten Beschwerden spürbar sind, kann die Schädigung im Darm fortschreiten, wenn Gluten weiterhin gegessen wird. Eine glutenfreie Ernährung ist hier keine Diät auf Zeit, sondern die einzige wirksame Behandlung.

Die Diagnose wird durch medizinische Tests gestellt, darunter spezifische Blutuntersuchungen auf Gluten-Antikörper und oft eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm. Bevor dieser Abklärungsweg abgeschlossen ist, darf Gluten nicht weggelassen werden, da dies die Testergebnisse verfälschen kann.

Weizenallergie

Bei der Weizenallergie reagiert das Immunsystem auf Eiweiße im Weizen. Diese Reaktion ist eine klassische Allergie, vergleichbar mit einer Pollen- oder Nussallergie, sie kann sich lokal im Magen-Darm-Trakt zeigen, aber auch Hautreaktionen oder Atemwegsprobleme auslösen. Anders als bei der Zöliakie sind hier nicht die körpereigenen Strukturen Ziel des Immunsystems, sondern nur die fremden Eiweiße.

Die Symptome können unmittelbar nach dem Verzehr auftreten. Die Diagnose erfolgt allergologisch, zum Beispiel mit Haut- oder Bluttests. Hier geht es darum, gezielt Weizen und weizenhaltige Produkte zu meiden.

Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität

Eine dritte Form ist die sogenannte nicht-zöliakische Glutensensitivität. Das bedeutet, dass Betroffene Symptome entwickeln, die typisch für eine Glutenreaktion erscheinen, aber weder die Diagnostik einer Zöliakie noch einer Allergie erhärten. Die Ursachen sind wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Es wird inzwischen diskutiert, dass auch andere Bestandteile des Weizens oder fermentierbare Kohlenhydrate (FODMAPs) Beschwerden auslösen könnten.

Die Beschwerden bei dieser Sensitivität ähneln denen der Zöliakie: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, aber auch Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Kopfschmerzen kommen vor. Viele Menschen fühlen sich nach dem Weglassen glutenhaltiger Lebensmittel besser. Weil jedoch kein einfacher Test existiert, ist die Diagnosestellung ein Ausschlussverfahren: Erst wenn Zöliakie und Allergie ausgeschlossen sind und Symptome sich unter glutenfreier Ernährung bessern, sprechen Ärztinnen und Ärzte von dieser Form.

 
 

Typische Beschwerden bei einer Glutenunverträglichkeit

Beschwerden, die im Zusammenhang mit Gluten auftreten können, sind vielfältig. Im Verdauungstrakt treten oft Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung auf. Diese Beschwerden zeigen sich meist wenige Stunden nach dem Essen und wirken sich auf das allgemeine Wohlbefinden aus.

Viele Menschen erleben zusätzlich Symptome, die nicht direkt mit dem Magen-Darm-Trakt zu tun haben. Dazu gehören unspezifische Symptome Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme, die nach einer Mahlzeit mit glutenhaltigen Lebensmitteln stärker werden können.

Wenn Sie also wiederholt nach dem Verzehr von Brot, Pasta, Pizza oder Backwaren über ähnliche Beschwerden klagen, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass Gluten eine Rolle spielt.

 
 

Ab wann sollte man zum Arzt bei Verdacht auf einer Glutenunverträglichkeit?

Wenn Sie regelmäßig Beschwerden nach dem Essen verspüren, lohnt sich eine ärztliche Abklärung. Beginnen Sie am besten damit, Ihre Beschwerden genau zu dokumentieren, also wann welche Symptome auftreten und was Sie gegessen haben. Dies hilft dem Fachpersonal dabei, mögliche Ursachen einzugrenzen.

 

Mikronährstoffversorgung bei Zöliakie unter glutenfreier Ernährung

Eine systematische Übersichtsarbeit1 zeigt, dass Menschen mit Zöliakie und einer langfristigen glutenfreien Ernährung ein erhöhtes Risiko für Mikronährstoffmängel haben. Besonders häufig betroffen sind Eisen, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Zink, Magnesium und Selen. Gründe sind sowohl die Schleimhautschädigung des Darms als auch die oft geringere Nährstoffdichte glutenfreier Produkte.

Nahrungsergänzungsmittel können hier gezielt unterstützen.

 
 

Diagnose: Glutenunverträglichkeit – was nun?

Für Menschen, bei denen eine Glutenunverträglichkeit bestätigt wurde, besteht die einzige Therapie allein darin, die Ernährung umzustellen und auf gluten- beziehungsweise weizenhaltigen Produkte zu verzichten. Nur so kann sich der Körper wieder regenerieren und die Beschwerden lassen nach. Doch welche Lebensmittel enthalten Gluten und welche kann man mit Glutenunverträglichkeit essen?

 
 

Glutenhaltige Lebensmittel – eine Liste

Wer an Glutenunverträglichkeit oder -sensitivität leidet, sollte folgende glutenhaltigen Getreidesorten und Lebensmittel meiden:

  • Weizen: Brot, Nudeln, Kuchen und Kekse mit Weizenmehl, Weizenkleie oder Frühstückscerealien. Auch Udon-Nudeln, Couscous oder Bulgur basieren auf Weizen.

  • Gerste: Auch Bier wird aus Gerste hergestellt und sollte bei Glutenunverträglichkeit gemieden werden. Es gibt jedoch spezielle glutenfreie Biere, die entweder aus Natur aus glutenfreien Rohstoffen (Hirse, Reis, Mais, Buchweizen) hergestellt sind oder bei denen das Gluten enzymatisch entfernt wurde.

  • Roggen

  • Dinkel: Auch Grünkern enthält als Korn des Dinkels Gluten.

  • Seitan: Dieses wird aus Weizengluten oder Weizenmehl hergestellt.

  • Urkorn: Dazu zählen unter anderem Kamut oder Emmer.

 

Glutenfreie Ernährung: Welche Lebensmittel enthalten kein Gluten?

Eine glutenfreie Ernährung basiert auf natürlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Kartoffeln, Reis, Mais, Quinoa, Amaranth, Hirse, Buchweizen sowie frischem Fleisch, Fisch, Eiern, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, reinen Milchprodukten und Ölen. Auch Kaffee, Tee, Säfte, Wein und klare Spirituosen sind meist glutenfrei.

Glutenfreie Alternativen zu klassischen Getreidesorten sind zum Beispiel Reis, Mais oder Hirse. Auch Pseudogetreide wie Quinoa oder Buchweizen sind von Natur aus glutenfrei und können problemlos konsumiert werden.

Natürlich glutenfreie Lebensmittel

  • Getreide & Pseudogetreide: Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Teff.

  • Obst & Gemüse: Alle Arten von frischem Obst und Gemüse sind glutenfrei.

  • Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Erbsen.

  • Proteine: Frisches Fleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte, Eier (ohne Panade).

  • Milchprodukte: Milch, Naturjoghurt, Quark, Käse (naturbelassen).

  • Nüsse & Samen: Mandeln, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsamen (naturbelassen).

  • Fette & Öle: Pflanzenöle (Oliven-, Raps-, Kokosöl), Butter, Schmalz.

  • Süßungsmittel & Gewürze: Zucker, Honig, reine Gewürze, Salz, Pfeffer. 

Glutenfreie Alternativen & Fertigprodukte

  • Mehle & Backwaren: Spezielle glutenfreie Mehle (z.B. aus Reis, Mais, Buchweizen), glutenfreie Brote, Nudeln oder Waffeln.

  • Saucen & Fertigprodukte: Nur wenn ausdrücklich als "glutenfrei" gekennzeichnet.

Beim Einkaufen und Kochen ist es wichtig, Zutatenlisten zu lesen und auf versteckte Quellen von Gluten zu achten, zum Beispiel in Soßen, Suppen oder Gewürzmischungen. Viele Produkte tragen ein spezielles Glutenfrei-Symbol (durchgestrichene Ähre), das eine Orientierung erleichtert.

Wichtig: Für Menschen ohne diagnostizierte Unverträglichkeit hat eine glutenfreie Ernährung jedoch keinen nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteil und kann im Gegenteil zu Nährstoffdefiziten führen, wenn nicht auf Ausgleich geachtet wird.

 
 

Fazit:

Beschwerden nach dem Essen können viele Ursachen haben, und Gluten ist nur eine davon. Wichtig ist, Symptome über einen längeren Zeitraum zu beobachten und fachlich abklären zu lassen. Sollte eine Glutenunverträglichkeit oder -sensitivität festgestellt worden sein, ist eine glutenfreie Ernährung die einzige, aber effektive Maßnahme.

Sie haben weniger Probleme nach getreidehaltigen Produkten, aber dennoch ständig Darmprobleme? Lesen Sie hier, was noch hinter Ihrem gereizten Darm stecken könnte.

 
 
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    Rondanelli M, et al.: Micronutrients Dietary Supplementation Advices for Celiac Patients on Long-Term Gluten-Free Diet with Good Compliance: A Review. Medicina (Kaunas). 2019 Jul 3;55(7):337.