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lavita.com
21.01.20265 Min. Lesedauer

Milch macht Probleme? Alles Wichtige zur Laktoseintoleranz

Milch schmeckt – aber nicht jedem bekommt sie. Wer nach dem Frühstücksbrot mit Käse oder dem Milchkaffee über Bauchgrummeln klagt, leidet womöglich an einer Laktoseintoleranz. Eine Verdauungsstörung, die verbreiteter ist, als viele denken – und dennoch oft lange unbemerkt bleibt. Woran Sie eine Laktoseintoleranz erkennen und was Sie tun können, lesen Sie hier.

 
 
Laktoseintoleranz
 
 
 

Ein Müsli mit Joghurt, der Schuss Milch im Kaffee oder ein Stück Käse zum Abendbrot – was für viele ein ganz normaler Bestandteil der Ernährung ist, löst bei anderen unangenehme Beschwerden aus. Blähungen, Bauchgrummeln, Durchfall oder einfach nur ein unangenehmes Völlegefühl nach dem Essen sind Zeichen einer sogenannten Laktoseintoleranz.

 
 

Was ist eine Laktoseintoleranz?

Milchzucker, auch Laktose genannt, ist natürlicherweise in der Milch von Säugetieren enthalten – also auch in Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch sowie deren Erzeugnissen. Doch um Laktose im Dünndarm verdauen zu können, benötigt der menschliche Körper ein Enzym: Laktase. Dieses Enzym spaltet den Milchzucker in seine Einzelbestandteile Glukose und Galaktose, die dann problemlos ins Blut aufgenommen werden können. Bei Menschen mit Laktoseintoleranz wird dieses Enzym nicht oder nur in unzureichender Menge produziert. Die Folge: Die Laktose gelangt unverdaut in den Dickdarm, wo sie von Bakterien zersetzt wird. Dabei entstehen Gase und kurzkettige Fettsäuren – und mit ihnen die typischen Beschwerden.

 
 

Anzeichen und Symptome bei Laktoseintoleranz: Vielschichtig und oft missverstanden

Die Symptome einer Laktoseintoleranz treten meist zwischen 30 Minuten und 2 Stunden nach dem Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel auf. Sie sind individuell unterschiedlich ausgeprägt und hängen auch von der Menge der aufgenommenen Laktose ab.

Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

  • Blähungen und Völlegefühl

  • Bauchschmerzen und -krämpfe

  • Durchfall oder weicher Stuhl

  • Übelkeit

  • Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme oder Müdigkeit

Diese Symptome treten auch bei anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Magen-Darm-Erkrankungen auf, daher bleibt die Laktoseintoleranz oft lange unentdeckt – oder wird fehldiagnostiziert.

 
 

Warum plötzlich Milchprobleme?

In Deutschland leiden schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung an einer Laktoseintoleranz, weltweit liegt der Anteil deutlich höher: In Asien, Afrika und Südamerika sind es teilweise bis zu 90 Prozent. Was viele nicht wissen: Laktoseintoleranz ist kein krankhafter Zustand – sie ist vielmehr der natürliche „Normalfall“.

Ursprünglich produzierte der menschliche Körper nach dem Säuglingsalter keine Laktase mehr. Schließlich war Muttermilch als Nahrungsquelle dann nicht länger vorgesehen. Erst durch eine genetische Mutation – die sich vor etwa 7.500 Jahren in Mitteleuropa verbreitete – entwickelte sich bei Teilen der Bevölkerung eine dauerhafte Laktaseproduktion. Das machte Milch zu einer neuen Nahrungsquelle. Diese sogenannte Laktasepersistenz ist jedoch weltweit gesehen die Ausnahme, nicht die Regel.

 
 

Wie wird eine Laktoseintoleranz festgestellt?

Wer den Verdacht hat, Milch nicht zu vertragen, sollte keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Denn ähnliche Symptome können auch durch andere Unverträglichkeiten (z.B. Fruktose, Gluten) oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen entstehen. Eine ärztliche Abklärung ist daher der erste Schritt.

Die gängigsten diagnostischen Verfahren sind:

  • H2-Atemtest: Nach dem Trinken einer Laktoselösung wird der Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen. Steigt er an, spricht das für eine Laktoseverwertungsstörung.

  • Blutzuckertest: Hier wird geprüft, ob nach Laktoseaufnahme ein Glukoseanstieg im Blut erfolgt – was bei funktionierender Laktaseproduktion der Fall wäre.

  • Genetischer Test: Er gibt Aufschluss über eine mögliche genetische Laktasepersistenz oder -defizienz.

 
 

3 Formen der Laktoseintoleranz:

1. Primäre Laktoseintoleranz

Die häufigste Form weltweit. Hier nimmt die Aktivität der Laktase mit zunehmendem Alter genetisch bedingt ab – oft schleichend und unbemerkt.

2. Sekundäre Laktoseintoleranz

Tritt als Folge einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut auf – zum Beispiel durch Zöliakie, Morbus Crohn, Gastroenteritis oder nach längerer Antibiotika-Therapie. Sie kann reversibel sein, wenn die Grunderkrankung behandelt wird.

3. Angeborene Laktoseintoleranz

Eine seltene, genetisch bedingte Form, bei der Neugeborene von Geburt an keinerlei Laktase bilden. Diese Form zeigt sich unmittelbar nach der ersten Milchaufnahme.

 
 

Diagnose Laktoseintoleranz: Was dagegen tun?

Die gute Nachricht: Laktoseintoleranz ist nicht gefährlich – aber sie ist lästig. Die wichtigste Maßnahme bei bestätigter Laktoseintoleranz ist eine angepasste Ernährung. Eine vollständige Meidung von Laktose ist selten notwendig – meist genügt es, die persönliche Toleranzgrenze zu kennen und laktosereiche Produkte zu vermeiden oder zu ersetzen.

Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:

  • Laktosearme oder -freie Produkte bevorzugen

  • Milchersatzprodukte wie Hafer-, Soja-, Mandel- oder Reismilch verwenden

  • Enzympräparate (Laktase-Tabletten) vor dem Verzehr laktosehaltiger Speisen einnehmen

  • Etiketten lesen: Laktose ist in vielen verarbeiteten Lebensmitteln versteckt – etwa in Wurst, Fertigsuppen, Backwaren oder Medikamenten

Zudem sollten Betroffene auf eine ausreichende Versorgung mit Calcium, B-Vitaminen und Vitamin D achten, insbesondere wenn Kuhmilchprodukte weitgehend gemieden werden.

 
 

Fazit:

Laktoseintoleranz ist weit verbreitet, individuell unterschiedlich ausgeprägt – und in den meisten Fällen gut behandelbar. Wer seinen Körper kennt und auf seine Ernährung achtet, kann auch mit dieser Unverträglichkeit ein beschwerdefreies Leben führen.