Zum Inhalt springen
lavita.com
24.07.20267 Min. Lesedauer

Herbstblues: 4 Signale, die Ihrer Psyche jetzt guttun

Wenn die Tage kürzer werden und das Licht schwindet, verändert sich oft auch unsere Stimmung. Doch was braucht unsere Psyche jetzt wirklich? Entdecken Sie vier wichtige Signale, mit denen Sie Ihrem mentalen Wohlbefinden im Herbst etwas Gutes tun können.

 
 
Herbstblues
 
 
 

Warum fällt es uns im Herbst plötzlich schwerer, morgens aus dem Bett zu kommen? Warum sehnen wir uns nach Pasta statt nach Salat, verbringen den Abend lieber auf dem Sofa als beim Sport und fühlen uns trotz ausreichend Schlaf oft weniger leistungsfähig? 

Die Antwort lautet: Unser Gehirn versucht, sich an die Veränderungen der Jahreszeit anzupassen und gleichzeitig Energie zu sparen. 

Aus evolutionsbiologischer Sicht ergibt das durchaus Sinn. Für unsere Vorfahren bedeuteten kürzere Tage und sinkende Temperaturen vor allem eines: Der Winter stand bevor. Nahrung wurde knapper, körperliche Anstrengung kostspieliger und Energie zu einer wertvollen Ressource. Das Gehirn reagierte darauf mit einem einfachen Prinzip: Es schaltete einen Gang herunter. Und das spüren viele in der dunkeln Jahreszeit. 

Doch unser Gehirn reagiert auf täglich Signale, die wir ihm senden. Und es gibt nachweislich vier Strategien, die im Herbst und Winter die Stimmung und Energie verbessern können.  

 
 
 

1. Bewegung stärkt die Psyche

Bewegung ist weit mehr als ein Mittel, um Kalorien zu verbrennen oder die körperliche Fitness zu verbessern. Sie kann auch unsere psychische Gesundheit nachhaltig unterstützen. Wie deutlich dieser Zusammenhang ist, zeigt eine große Übersichtsarbeit1 im British Journal of Sports Medicine aus dem Jahr 2023. Die Forschenden werteten 97 systematische Reviews mit insgesamt 1.039 randomisierten Studien und mehr als 128.000 Teilnehmenden aus. Das Ergebnis: Körperliche Aktivität kann depressive Symptome, Ängste und psychische Belastungen deutlich reduzieren. Besonders bei Depressionen zeigten sich relevante Effekte. Dabei erwiesen sich unterschiedliche Bewegungsformen als wirksam – und auch eine höhere Trainingsintensität war tendenziell mit stärkeren Verbesserungen verbunden.

 

Welche Bewegung scheint besonders gut zu wirken?

  • Gehen, Joggen und aerobes Training (dazu zählen beispielsweise Radfahren, Schwimmen oder zügiges Walken)

  • Yoga

  • Krafttraining

  • Aerobes Training

  • Tanzen

  • Tai-Chi, Qigong

 
 

Bewegung wirkt dabei auf mehreren Ebenen. Bereits ein zügiger Spaziergang bringt den Kreislauf in Schwung, lindert Entzündungen, die mit Depressionen in Verbindung stehen, und schütttet Botenstoffe aus, die Stimmung und Wohlbefinden fördern. Gleichzeitig werden Wachstumsfaktoren freigesetzt, die die Anpassungsfähigkeit des Gehirns unterstützen können.

Bewegung muss keine große Leistung sein. Auch ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft kann einen Unterschied machen, für den Körper und für die Stimmung. Tageslicht und Bewegung zusammen sind eine der einfachsten und gleichzeitig wirksamsten Möglichkeiten, sich selbst etwas Gutes zu tun. Wann immer Sie Lust und Kraft haben ein paar Schritte zu gehen, ist das genau der richtige Moment dafür.

 
 
 

2. Ernährung: Gute Stimmung braucht die richtigen Bausteine

Noch vor wenigen Jahren galt Ernährung vor allem als Thema für Herz, Gewicht oder Diabetes. Inzwischen beschäftigt sich zunehmend auch die Nutritional Psychiatry – ein neues, eigenes Forschungsgebiet – mit der Frage, welchen Einfluss Lebensmittel und Mikronährstoffe auf unser Gehirn und unsere psychische Gesundheit haben.

Der Hintergrund: Unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan. Obwohl es nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es rund 20 Prozent unserer Energie. Gleichzeitig ist es auf eine kontinuierliche Versorgung mit Aminosäuren, Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Spurenelementen angewiesen, um Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin zu bilden und Nervenzellen funktionsfähig zu halten.

Besonders spannend sind die Ergebnisse einer Studie2 der australischen Deakin University. Forschende untersuchten, wie stark eine gesunde, mikronährstoffreiche Ernährung die psychische Gesundheit beeinflussen kann.

Die Gruppe, die ihre Ernährung auf ein mediterran geprägtes, nährstoffreiches Ernährungsmuster umstellte – mit viel Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl und Fisch – zeigte nach zwölf Wochen eine deutlich stärkere Verbesserung der depressiven Symptome (32 Prozent) als ihre Vergleichsgruppe ohne Ernährungsintervention aber mit sozialen Unterstützungsmaßnahmen (8 Prozent).

Die Studie liefert damit einen wichtigen Hinweis darauf, dass gezielte Veränderungen der Ernährung die psychische Gesundheit unterstützen können – und dass sich solche Veränderungen möglicherweise bereits innerhalb weniger Wochen bemerkbar machen.

 

Auch Mikronährstoffe unterstützen die Psyche

  • Magnesium, Vitamin C und zahlreiche B-Vitamine tragen zu einer normalen psychischen Funktion bei.

  • Eisen, Jod und Zink tragen zu einer normalen kognitiven Funktion bei.

  • Magnesium, Kupfer, Jod, Vitamin C und B-Vitamine unterstützen die Funktion des Nervensystems.

  • Eisen, Folsäure, Magnesium, Niacin, Vitamin C, Vitamin B2, B12 und B6 tragen zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.

  • Niacin, Vitamin B2, Vitamin B1, Vitamin B12, Pantothensäure und Vitamin B6 tragen zu einem normalen Energiestoffwechsel im Gehirn bei.

 
 
 
 

Ernährung und Bewegung zusammen besonders stark

Wie stark Ernährung und Bewegung gemeinsam wirken können, zeigt eine weitere Studie3 der Deakin University in Australien mit 182 Erwachsenen. Untersucht wurde, wie stark eine Kombination aus gesunder Ernährung und Bewegung depressive Symptome im Vergleich zur kognitiven Verhaltenstherapie reduzieren kann.

Nach acht Wochen zeigten sich in beiden Gruppen deutliche Verbesserungen: Die depressiven Symptome reduzierten sich bei den Teilnehmenden der Lifestyle-Gruppe um 42 %, während die Psychotherapie-Gruppe eine Reduktion von 37 % verzeichnete.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass eine ausgewogene Ernährung und ein aktiver Lebensstil eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der psychischen Gesundheit spielen können – und möglicherweise eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Behandlungsmöglichkeiten darstellen.

 
 
 

3. Ausreichend Tageslicht

Noch bevor Sie Ihren ersten Kaffee trinken, lohnt sich ein Blick nach draußen. Denn Licht ist der wichtigste Taktgeber unserer inneren Uhr. Spezialisierte Nervenzellen in der Netzhaut registrieren die Helligkeit der Umgebung und leiten diese Information an den suprachiasmatischen Nukleus weiter – die zentrale Uhr unseres Gehirns. Trifft morgens ausreichend Licht auf die Augen, wird die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin unterdrückt und der Körper erhält das Signal: Der Tag beginnt.

Werden die Tage kürzer und ist es morgens noch dunkel, verändert sich dieser Takt. Melatonin bleibt länger aktiv, der Cortisolanstieg am Morgen fällt oft schwächer aus und viele Menschen fühlen sich antriebsloser. Was sich subjektiv wie mangelnde Motivation anfühlt, ist häufig zunächst eine völlig normale biologische Anpassung.

Die Lösung: Ab nach draußen und Tageslicht tanken! Das hilft dem Körper enorm, sich schneller an die Jahreszeit anzupassen. Das Faszinierende ist: Selbst an einem bewölkten Herbsttag ist die Lichtintensität im Freien um ein Vielfaches höher als in Innenräumen. Deshalb lohnt es sich, möglichst früh am Tag Zeit draußen zu verbringen – oder auch in der Mittagspause Licht zu tanken – für mehr Energie und eine besser Stimmung.

 
 
 

4. Den Kontakt zu anderen Menschen suchen

Heute weiß man: Unser Gehirn verarbeitet soziale Beziehungen nicht nur emotional, sondern auch biologisch. Die sogenannte Social Baseline Theory beschreibt, dass allein die Anwesenheit von vertrauten Menschen die Stressreaktion unseres Gehirns mindern kann und ein Gefühl von Sicherheit vermittelt wird.4

Umgekehrt hinterlässt soziale Ausgrenzung messbare Spuren im Gehirn. Eine bekannte fMRT-Studie5 von Eisenberger und Kollegen zeigte, dass soziale Zurückweisung teilweise dieselben neuronalen Netzwerke aktiviert, die auch an der Verarbeitung körperlicher Schmerzen beteiligt sind.

Auch die Harvard Study of Adult Development kommt über Jahrzehnte zu einem ähnlichen Ergebnis: Enge, stabile Beziehungen gehören zu den wichtigsten Faktoren, die mit langfristiger Gesundheit und Lebenszufriedenheit verbunden sind.6

Gerade in der dunklen Jahreszeit lohnt es sich deshalb, soziale Kontakte bewusst zu pflegen – nicht nur für gute Stimmung, sondern auch zur Stärkung unserer Stressresilienz.

 
 
 

Fazit:

Der Herbst verändert nicht unsere Persönlichkeit – er verändert die Bedingungen, unter denen unser Gehirn arbeitet. Wer das versteht, betrachtet Müdigkeit, Antriebslosigkeit und den Winterblues mit anderen Augen: nicht als persönliches Versagen, sondern als eine biologische Anpassung, auf die wir aktiv Einfluss nehmen können.

Tageslicht, Bewegung, ausgewogene Ernährung und echte Begegnungen sind deshalb weit mehr als allgemeine Gesundheitstipps. Sie liefern unserem Gehirn genau die Signale und Bausteine, die es braucht, um auch in der dunklen Jahreszeit leistungsfähig, widerstandsfähig und emotional im Gleichgewicht zu bleiben.

 
 
 
  • 1

    Singh B, Olds T, Curtis R, Dumuid D, Virgara R, Watson A, Szeto K, O'Connor E, Ferguson T, Eglitis E, Miatke A, Simpson CE, Maher C. Effectiveness of physical activity interventions for improving depression, anxiety and distress: an overview of systematic reviews. Br J Sports Med. 2023 Sep;57(18):1203-1209.

    2

    Jacka FN, O'Neil A, Opie R, Itsiopoulos C, Cotton S, Mohebbi M, Castle D, Dash S, Mihalopoulos C, Chatterton ML, Brazionis L, Dean OM, Hodge AM, Berk M. A randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the 'SMILES' trial). BMC Med. 2017 Jan 30;15(1):23.

    3

    O'Neil A, Perez J, et al. Clinical and cost-effectiveness of remote-delivered, online lifestyle therapy versus psychotherapy for reducing depression: results from the CALM non-inferiority, randomised trial. Lancet Reg Health West Pac. 2024 Jul 31;49:101142.

    4

    Coan JA, Sbarra DA. Social Baseline Theory: The Social Regulation of Risk and Effort. Curr Opin Psychol. 2015 Feb;1:87-91.

    5

    Eisenberger NI, Lieberman MD, Williams KD. Does rejection hurt? An FMRI study of social exclusion. Science. 2003 Oct 10;302(5643):290-2. 

    6

    https://news.harvard.edu/gazette/story/2023/02/work-out-daily-ok-but-how-socially-fit-are-you/?