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Interview
17.03.20265 Min. Lesedauer

Oecotrophologin Susanne Liedtke

„Wir sind weit entfernt von einer Ernährung, die gut für uns ist.“

Unser Körper hat in jedem Alter besondere Bedürfnisse. Gerade ab der Lebensmitte verändern sich mit den hormonellen Anpassungen auch die Anforderungen an unsere Ernährung, sagt unsere Expertin und Oecotrophologin Susanne Liedtke.

Das heißt nicht, dass wir ab jetzt Diät halten und Kalorien zählen sollen. Definitiv sollten wir aber abwechslungsreicher und cleverer essen, um so das Wohlbefinden zu steigern und die Risiken für viele Erkrankungen schon Jahre vorher zu minimieren.

Wir haben mit Susanne Liedtke darüber gesprochen, was ab der Lebensmitte im Körper passiert, warum die Ernährung gerade jetzt ein so starker Hebel für mehr Energie und Wohlbefinden ist und welche einfachen Veränderungen wirklich einen Unterschied machen.

 
 
 

Susanne Liedtke

bringt frischen Wind in die Gesundheitsdebatte, besonders wenn es um die Ernährung ab der Lebensmitte geht. Mit ihrer Plattform Nobody told me macht die Diplom-Oecotrophologin auf Zusammenhänge aufmerksam, die lange unterschätz wurden und unterstützt Frauen (und Männer) dabei, ihre Ernährung bewusst neu auszurichten. Ihr Bestseller Somebody told me ist im Brandstätter Verlag erschienen und zeigt, was wir konkret tun können, um unseren Körper wieder besser zu versorgen.

 
 

Frau Liedtke, Hand aufs Herz, wie steht es aktuell um unsere Ernährung?

"Ich finde, dass wir uns viel zu weit entfernt haben von der Ernährung, die gut für uns ist und mit der sich unser Verdauungssystem und unser Stoffwechsel über Millionen von Jahren entwickelt hat. Und das ist eine überwiegend pflanzliche, ballaststoffreiche Ernährung. Das Angebot an Lebens- und Genussmitteln, das wir heute in den Supermärkten vorfinden, ist zwar sehr lecker, aber leider komplett arm an Nähr- und Ballaststoffen. Kein Wunder, dass Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Krebs und Herzkreislauferkrankungen weiterhin auf dem Vormarsch sind und auch immer mehr jüngere Menschen betroffen sind. Es braucht eine Kurskorrektur. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen für sich entdecken, wie viel Gutes sie sich mit der richtigen Ernährung tun können.“

Was wissen wir heute über die Ernährung, was wir vor einigen Jahren noch nicht wussten?

"Wir wussten schon vor 30 Jahren, welchen großen Einfluss die Ernährung auf unsere Gesundheit hat. Grundlegendes hat sich also nicht geändert. Was an Wissen hinzugekommen ist, ist die Bedeutung des Mikrobioms für unsere Gesundheit. Wir leben mit unseren 38 Billionen Darmbakterien in einer Symbiose. Nur, wenn wir sie gut ernähren – sprich ausreichend Ballaststoffe zu uns nehmen –, dann können sie auch für uns ihren Job machen. Dazu zählt u. a. die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren, die enorm wichtig für uns sind.

Auch sehen wir heute noch stärker die Folgen des Konsums von zuckerhaltigen Lebensmitteln wie Erfrischungsgetränke sowie von hochverarbeiteten Lebensmitteln wie Fast Food, weil sich die Verfügbarkeit noch weiter erhöht hat. Fast 25 Prozent der Erwachsenen sind in Deutschland stark übergewichtig. Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Diabetes, in Deutschland ist mittlerweile eine von 10 Personen an Diabetes erkrankt. Das sind dramatische Zahlen, weil dies das Einfallstor für weitere chronische Erkrankungen ist.“

Lassen sich fast alle Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Energiemangel, Bauchfett, Gelenk- oder Magen-Darm-Probleme auf unsere moderne Ernährung zurückführen?

"Jein. Die Ursachen sind mannigfaltig, dazu zählen Stress, Bewegungsmangel, schlechter Schlaf, ein ungesunder Lebensstil (z. B. Rauchen, Alkohol) und eben auch die Ernährung. Und für Frauen kommt ab der Lebensmitte noch mindestens ein weiterer Faktor hinzu: der starke Rückgang der Hormone, insbesondere der Östrogene. Östrogene sind vielmehr als Sexualhormone, sie sind an sehr vielen Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt. So machen sie unsere Zellen empfänglicher für Insulin und beugen damit einer Insulinresistenz vor – haben also eine schützende Wirkung. Darüber hinaus fördern sie die Gedächtnisleistung, haben eine stimmungsaufhellende (antidepressive) Wirkung und einen günstigen Einfluss auf unsere Knochengesundheit, Gefäße sowie auf Haut und Haare.

Wenn Frauen nun in den Wechseljahren die schützende Wirkung des Östrogens verlieren und sich weiter eher westlich ernähren, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie in der Folge gesundheitliche Probleme bekommen.“

Mit Ihrem Buch möchten Sie den negativen Entwicklungen entgegenwirken und zeigen, wie wir einen Neustart schaffen. Womit können wir starten? Wie gelingt die Umstellung auf eine gesunde Ernährung und was sollte ich täglich essen?

"Wir können mit ganz einfachen Dingen starten, dafür braucht es keine Waage und keine Diät. Wir können zum einen einfach von bestimmten Lebensmitteln weniger essen: Fleisch und Wurstwaren, Zuckerhaltiges, Alkohol, Käse, Weißmehle, Frittiertes, Fertig-Smoothies und Trockenfrüchte. Dafür bleibt dann mehr Platz für diese Lebensmittel:

Gemüse und Pilze, Kräuter, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Saaten und – ganz wichtig – Fermentiertes. Wenn wir zum Beispiel am Tag 500 Gramm Gemüse essen würden, darunter viel – „Grünzeug“, Kohlgemüse und buntes Gemüse, dann fügen wir unserem Körper ganz viel Gutes zu. Das fördert dann auch eine gesunde Darmflora. Dann könnten wir jeden Tag zwei Esslöffel geschrotete Leinsamen essen, die haben für Männer wie Frauen viele gesundheitliche Vorteile. Unter anderem schützen die enthaltenen Phytoöstrogene das Brust- und Prostatagewebe. Und wer es dann noch schafft, täglich Fermentiertes wie rohes, unpasteurisiertes Sauerkraut oder Kimchi zu essen, ist ganz weit vorn. Mit diesen drei Dingen würde ich starten und schauen, was es mit meinem Körper macht.“

Welchen Geheimtipp können Sie zum Schluss noch geben?

"Ich trinke jeden Morgen LaVita. Für mich überzeugt LaVita, weil es in flüssiger Form vorliegt, weil es zusammen mit den wichtigen sekundären Pflanzenstoffen daherkommt und weil es nicht hochdosiert ist. Wir wissen heute, dass hochdosiert weder notwendig noch gut ist. Im Gegenteil: es kann auch zum Beispiel im Fall von Vitamin B12 schädlich sein.“