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14.10.2026•5 Min. Lesedauer

Besser schlafen: Was wir von den Steinzeitmenschen lernen können

Endlich besser schlafen und erholt aufwachen: Was können wir von unseren Steinzeitvorfahren lernen, um abends wieder zur Ruhe zu kommen und besser zu schlafen?

 
 
Mann schläft
 
 
 

Wir verbringen rund ein Drittel unseres Lebens schlafend – und trotzdem wissen wir erstaunlich wenig darüber, wie unser Körper eigentlich schlafen möchte. Müssen es wirklich acht Stunden sein? Haben unsere Vorfahren besser geschlafen als wir? Und was verrät uns die Evolution darüber, warum heute so viele Menschen schlecht schlafen? 

Tatsächlich zeigt die Forschung: Nicht die Schlafdauer hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte am stärksten verändert – sondern unsere Umgebung.

 
 

Haben Steinzeitmenschen wirklich besser geschlafen?

Wenn wir verstehen wollen, wie unser Körper schlafen möchte, lohnt sich ein Blick auf Menschen, die noch ohne elektrisches Licht und moderne Schlafumgebung leben.

Eine Studie1 aus dem Fachjournal Current Biology untersuchte den Schlaf von drei traditionellen Gesellschaften: den Hadza in Tansania, den San in Namibia und den Tsimane in Bolivien. Diese Menschen leben weitgehend ohne künstliches Licht und orientieren sich noch stärker an den natürlichen Bedingungen ihrer Umgebung. Die Ergebnisse mögen den ein oder anderen überraschen:

1. Unsere Vorfahren schliefen nicht länger

Die untersuchten Menschen schlafen durchschnittlich etwa sechs bis sieben Stunden pro Nacht. Damit lagen sie nicht über dem, was viele Menschen in modernen Gesellschaften heute schlafen. Die Vorstellung vieler, dass Menschen früher deutlich länger geschlafen haben, lässt sich durch diese Daten nicht bestätigen.

2. Der Schlaf folgt einem natürlichen Rhythmus

Gehen sie mit dem Sonnenuntergang zu Bett? Nicht ganz, denn im Durchschnitt vergehen noch mehrere Stunden, bevor sie sich zur Ruhe legten. Trotzdem war ihr Schlaf eng mit der Umwelt verbunden:

  • Morgens sorgte natürliches Tageslicht für ein klares Signal zum Aufwachen.

  • Tagsüber verbrachten sie viel Zeit im Freien.

  • Abends nahm das Licht automatisch ab und bereitete den Körper auf die Nacht vor.

Ihr Körper bekam jeden Tag eindeutige Informationen darüber, wann Aktivität und wann Erholung gefragt waren.

3. Der Schlaf verändert sich mit den Jahreszeiten

Die Studie zeigte außerdem, dass die Menschen im Winter ungefähr eine Stunde länger als im Sommer schlafen. Interessanterweise liegt das vor allem daran, dass sie in den dunkleren Monaten früher schlafen gehen – nicht daran, dass sie morgens länger liegen bleiben. Unser Körper ist also darauf ausgelegt, sich an die natürlichen Veränderungen der Umwelt anzupassen.

4. Nicht nur Licht, sondern auch Temperatur beeinflusst den Schlaf

Eine besonders spannende Erkenntnis: Der Schlafrhythmus wird nicht ausschließlich durch Licht gesteuert. Die Forscher beobachteten, dass die Schlafzeit eng mit der nächtlichen Abkühlung der Umgebung zusammenhängt. Die Menschen schlafen während der kühleren Phase der Nacht und wachen häufig auf, als die Temperatur wieder zu steigen beginnt.

Das bedeutet: Unsere innere Uhr orientiert sich nicht nur daran, ob es hell oder dunkel ist – sondern auch an Veränderungen unserer Umgebung.

5. Kein Hinweis auf den „zweigeteilten Schlaf“ oder Powernaps

Manche Erzählungen über frühere Menschen behaupten, sie hätten nachts regelmäßig mehrere Stunden wach gelegen und zwischen zwei Schlafphasen eine lange Pause gemacht. Die Studie fand dafür keine Hinweise. Der Schlaf der Naturvölker ist überwiegend zusammenhängend. Auch regelmäßige Mittagsschläfchen sind sehr selten.

Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: Menschen schliefen früher nicht unbedingt länger oder grundlegend anders, aber sie schliefen besser, weil sie den natürlichen Signalen der Umwelt folgten.

 
 

Der Körper trägt noch immer eine uralte Uhr in sich

An diesen natürlichen Rhythmus hat sich unser Körper über viele Tausend Generationen angepasst. Unsere innere Uhr erwartet klare Signale aus der Umwelt: Helligkeit am Tag, zunehmende Dunkelheit am Abend und natürliche Veränderungen wie den Temperaturabfall in der Nacht.

Das Problem: Unsere Gene haben sich seit der Steinzeit kaum verändert, unsere Umwelt dagegen grundlegend. Heute verbringen wir den Großteil des Tages in Innenräumen und bekommen oft deutlich weniger natürliches Tageslicht, als unser Körper ursprünglich gewohnt ist. Am Abend passiert dann das Gegenteil: Wohnzimmer werden hell ausgeleuchtet, Smartphones, Tablets und Fernseher senden bis kurz vor dem Schlafengehen Licht direkt in unsere Augen. Für unsere innere Uhr verschwimmen dadurch Tag und Nacht.

Der Körper erhält somit widersprüchliche Signale. Tagsüber bekommt er häufig zu wenig Licht, um die Wachphase optimal einzustellen. Abends bekommt er dagegen zu viel Licht, um rechtzeitig in den Schlafmodus zu wechseln. Genau deshalb fällt es vielen Menschen schwer, abends müde zu werden, obwohl sie sich gleichzeitig erschöpft fühlen.

 
 

Die besten Schlafgewohnheiten: Was wir von unseren Vorfahren lernen können

Wir müssen nicht wie unsere Vorfahren leben, um besser zu schlafen. Aber wir können ihnen etwas Wichtiges abschauen: Unser Körper funktioniert am besten, wenn er klare Signale für Tag und Nacht bekommt.

1. Morgens Licht tanken

Das stärkste Signal für unsere innere Uhr ist natürliches Tageslicht. Besonders am Morgen hilft Licht dabei, den Tag-Nacht-Rhythmus zu synchronisieren und dem Körper zu zeigen: Jetzt beginnt die aktive Phase. Schon ein kurzer Aufenthalt draußen ist deutlich wirksamer als Licht durch Fenster oder künstliche Innenbeleuchtung.

2. Abends Dunkelheit zulassen

Unsere Vorfahren erlebten nach Sonnenuntergang automatisch eine dunklere Umgebung. Heute verlängern wir den Tag oft künstlich. Dimmen Sie deshalb abends das Licht und reduzieren Sie besonders in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen helles Bildschirmlicht.

3. Regelmäßige Zeiten einhalten

Die innere Uhr liebt Vorhersagbarkeit. Wer jeden Tag zu völlig unterschiedlichen Zeiten aufsteht und schlafen geht, gibt seinem Körper wechselnde Signale – ähnlich wie bei einem kleinen Jetlag. Ein möglichst gleichmäßiger Rhythmus hilft der biologischen Uhr.

4. Tagsüber aktiv sein und nach draußen gehen

Tageslicht und Bewegung wirken zusammen als starke Zeitgeber. Wer tagsüber viel Licht und Aktivität bekommt, unterstützt nicht nur die Wachheit am Tag, sondern schafft auch bessere Voraussetzungen für die Nacht.

5. Die Schlafumgebung bewusst gestalten

Eine eher kühle Schlafumgebung und eine natürliche Absenkung der Temperatur am Abend geben dem Körper die Signale, die er aus seiner Entwicklungsgeschichte kennt.

 
 

Fazit

Die Steinzeit müssen wir nicht zurückholen. Aber sie zeigt uns, worauf unser Körper seit Jahrtausenden eingestellt ist: einen natürlichen Wechsel aus Licht, Aktivität und Dunkelheit. Unser Körper funktioniert heute noch nach denselben biologischen Grundprinzipien wie vor Tausenden von Jahren.

Geben Sie Ihrem natürlichen Rhythmus eine Chance und testen Sie die Tipps gerne in Ihrem Alltag.

 
 
  • 1) 

    Yetish, G., Kaplan, H., Gurven, M., Wood, B., Pontzer, H., Manger, P. R., Wilson, C., McGregor, R., & Siegel, J. M. (2015). Natural sleep and its seasonal variations in three pre-industrial societies. Current Biology, 25(21), 2862–2868.