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Interview
20.10.2026•6 Min. Lesedauer

Dr. Kuche im Interview

Ab 40 lässt die Energie nach? Kardiologe Dr. Kuche erklärt, worauf es jetzt ankommt

Ständig erschöpft? Der Kardiologe Dr. Kuche erklärt, warum ab 40 eine Basisversorgung mit Mikronährstoffen so wichtig für den Alltag ist.

 
 
Dr Kuche
 

Ob beim Joggen um den Maschsee, in stressigen Meeting-Wochen oder bei der Gartenarbeit, wenn die Hecken gestutzt werden sollen: Viele Menschen merken spätestens ab 40, dass die Batterien nicht mehr ganz so schnell aufladen wie früher. Wenn die Erschöpfung ständiger Begleiter wird, lohnt sich ein Blick auf die tieferliegenden Prozesse unseres Körpers.

Genau hier setzt Dr. med. Heinz-Christian Kuche an. In seiner Praxis Cardio & Vitality in Hannover verbindet der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie die klassische Schulmedizin mit funktioneller Medizin und Stressmedizin. Sein Credo: Nicht nur einzelne Symptome behandeln, sondern den Patienten ganzheitlich betrachten – von den großen Organen bis hin zur Energieversorgung auf Zellebene.

Neben ausreichend Schlaf und Bewegung spielt die tägliche Mikronährstoffversorgung eine entscheidende Rolle für unsere Vitalität. Wie wichtig diese kleinen Bausteine für unseren Organismus sind und auf welche Signale wir ab der Lebensmitte hören sollten, erklärt Dr. Kuche im Interview.

 
 

Dr. Kuche, ab 40 haben viele das Gefühl, dass Energie, Belastbarkeit und Regeneration nachlassen. Ist das einfach der Beginn des Alterns oder steckt da mehr dahinter?

Dr. Kuche: Ab 40 meldet sich der Körper oft nicht, weil er „alt“ wird, sondern weil er ehrlicher reagiert. Energie, Belastbarkeit und Regeneration hängen stark von Schlaf, Stressniveau, Muskelmasse, Blutdruck, Blutzucker, Entzündungsaktivität und dem Mikronährstoffstatus ab. Aus kardiologischer Sicht schaue ich deshalb nicht nur auf die Makroebene der Organe wie das Herz und die Gefäße, sondern auch auf die Regulationsfähigkeit des zellulären Stoffwechsels, wie z. B. den Eisenhaushalt, den Vitalstoffgehalt der Zellen und den Gehalt der essentiellen Fettsäuren und Aminosäuren. Auch Hormone können eine Rolle spielen, sollten im Zusammenhang mit Symptomen seriös beurteilt werden – ein Laborwert allein ist noch keine Diagnose. Mein Leitsatz lautet: Nicht das Alter ist der Gegner, sondern die Summe unbeachteter Signale.

 

Viele Männer merken es erst spät: Der Körper sendet Signale, die man zu lange ignoriert. Welche Zeichen sollte man ab 40 ernst nehmen?

Dr. Kuche: Ernst nehmen sollte man Luftnot bei Belastung, Druck oder Engegefühl in der Brust, Herzstolpern, ungewohnt schnellen Leistungsabfall, Schwindel, neu erhöhte Blutdruckwerte und eine deutliche Zunahme des Bauchumfangs. Auch Schlafstörungen, lautes Schnarchen, Tagesmüdigkeit und unerklärliche Erschöpfung sind keine Bagatellen, sondern manchmal der dezente Rauchmelder im Maschinenraum. Bei Männern gehört auch die Erektionsfunktion zur Gefäßgesundheit: Erektile Dysfunktion kann ein früher Hinweis auf Durchblutungs- und Gefäßprobleme sein. Der Körper flüstert meist, bevor er schreit – klug ist, wer beim Flüstern zuhört. Eine frühe Abklärung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von guter Führung des eigenen „Unternehmens Körper“.

 

Was verändert sich im Stoffwechsel und Hormonhaushalt ab der Lebensmitte – und welche Rolle spielen Mikronährstoffe dabei?

Dr. Kuche: Ab der Lebensmitte verändern sich häufig Muskelmasse, Insulinempfindlichkeit, Schlafarchitektur und hormonelle Regulation – nicht dramatisch über Nacht, eher wie ein Dimmer, der langsam heruntergeregelt wird. Testosteron ist dabei kein Zauberknopf, sondern Teil eines größeren Zusammenspiels aus Schlaf, Stress, Bewegung, Bauchfett, Ernährung und Entzündungsbalance. Mikronährstoffe sind in diesem „Orchester der Gesundheit” die Notenständer und Stimmgeräte: Vitamin B6, B12 und Folat sind unter anderem am Homocystein-Stoffwechsel beteiligt, Vitamin D spielt eine Rolle für Knochen, Muskeln, Immunfunktion und Stoffwechselprozesse. Zink ist als essentielles Spurenelement an zahlreichen Enzymfunktionen beteiligt und liegt zu einem großen Teil in Muskeln und Knochen vor. Besonders interessant ist auch das Coenzym Q10, das in den Mitochondrien – den kleinen Kraftwerken unserer Zellen – an der Energiegewinnung beteiligt ist; gerade der Herzmuskel ist auf eine stabile Energieversorgung angewiesen. Mit zunehmendem Alter und unter bestimmten Belastungen kann die körpereigene Q10-Verfügbarkeit abnehmen, weshalb eine gezielte Betrachtung im Rahmen des Energiestoffwechsels sinnvoll sein kann – nicht als Wundermittel, sondern als biochemisch plausibler Baustein. Mikronährstoffe liefern keine „künstliche Energie“ wie ein Espresso, aber sie helfen, dass die biochemischen Kraftwerke sauber arbeiten.

 
Ein verschwitzter älterer Mann mit grauem Haar sitzt auf einer Bank im Fitnessstudio und wischt sich mit einem Handtuch Schweiß vom Gesicht.
 

Auch wenn der Anfang oft schwerfällt: Regelmäßiges Training hält fit und fördert die Gesundheit.

 

Nicht jeder Mann über 40 isst täglich ausgewogen. Für wen ist eine Mikronährstoffergänzung besonders sinnvoll?

Dr. Kuche: Besonders sinnvoll kann eine Ergänzung sein bei nachgewiesenen Mängeln mittels Vitalstoffanalyse, einseitiger Ernährung, vegetarischer oder veganer Kost, wenig Sonnenlicht, hohem Stress, intensiver sportlicher Belastung, chronischen Magen-Darm-Problemen oder Medikamenten wie u. a. Metformin und Säureblockern, die z. B. den Vitamin-B12-Status beeinflussen können. In meiner Praxis führe ich regelmäßig Vitalstoffanalysen durch – sicher sagen kann ich, dass ohne eine Substitution bei 9 von 10 Analysen Mangelzustände nachzuweisen sind. Ein breit aufgestelltes Mikronährstoffkonzentrat kann im Alltag eine pragmatische Basisergänzung sein, wenn Ernährungslücken bestehen, ersetzt aber weder frische Lebensmittel noch Diagnostik oder Lebensstil.

 

Einzelpräparate oder kombiniertes Konzentrat – wie sollte man am besten optimieren, und worauf kommt es dabei an?

Dr. Kuche: Einzelpräparate sind sinnvoll, wenn ein konkreter Mangel oder ein klarer therapeutischer Grund vorliegt – etwa bei Vitamin D, B12, Eisen oder Omega-3-Fettsäuren nach entsprechender Diagnostik. Kombinierte Konzentrate können eine alltagstaugliche Basis sein, wenn es nicht um Hochdosis-Therapie geht, sondern um eine breite Grundversorgung mit allen relevanten Mikronährstoffen. Tatsächlich liefert unsere industrialisierte Ernährung häufig keine ausreichende Versorgung. Ein Mikronährstoff-Produkt kann hier als Beispiel für eine praktische Ergänzung dienen, sollte aber nüchtern betrachtet werden: Es ist kein Medikament und kein Ersatz für Schlaf, Bewegung, Krafttraining und eine biologische, diversifizierte Ernährung. Entscheidend sind Qualität, Verträglichkeit, sinnvolle Dosierung, keine unnötigen Megadosen und die Frage, ob der Mensch am Ende wirklich stabiler, leistungsfähiger und besser versorgt ist. Gute Medizin beginnt nicht im Supplement-Regal, sondern bei der richtigen Frage und Diagnostik.

 

Viele Männer wollen fit und leistungsfähig bleiben – aber haben wenig Zeit. Was ist Ihr wichtigster Rat für einen gesunden Alltag ab 40?

Dr. Kuche: Mein wichtigster Rat lautet: 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche plus zwei Einheiten Krafttraining sind kein Luxusprogramm, sondern die Wartung des eigenen Motors. Wer keine Zeit hat, braucht keine perfekte Fitnessroutine, sondern feste Mini-Rituale: zehn Minuten zügiges Gehen, Treppe statt Aufzug, zweimal pro Woche Krafttraining, abends weniger Alkohol und konsequente Schlafzeiten. Die großen Effekte entstehen selten durch Heldentaten, sondern durch Wiederholung – der Körper liebt Verlässlichkeit mehr als Motivationsreden. Ab 40 gewinnt nicht der, der am meisten macht, sondern der, der das Richtige regelmäßig tut.

 
 
 

Fazit: Die Basis für mehr Vitalität im Alltag

Gesundheit ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wie das Gespräch mit Dr. Kuche zeigt, sind es vor allem die täglichen, kleinen Routinen, die entscheiden, wie leistungsfähig wir den Anforderungen des Lebens begegnen. Wer die Signale seines Körpers ernst nimmt und präventiv handelt, investiert nachhaltig in die eigene Belastbarkeit.

 
Vier lachende Männer in Sportkleidung umarmen sich für ein Selfie im Freien.
 

Prävention durch Bewegung: Ein aktiver Lebensstil, regelmäßiges Training und bewusste Ernährung sind in jedem Alter der Schlüssel zu ganzheitlicher Gesundheit und Wohlbefinden.

 

Eine bewusste Nährstoffversorgung spielt dabei eine zentrale Rolle. Vitamine und Spurenelemente begleiten lebenswichtige Prozesse im Körper: Ein normaler Energiestoffwechsel (unterstützt z. B. durch B-Vitamine) und eine normale Funktion des Immunsystems (unterstützt durch Eisen, Vitamin C und Zink) sind unverzichtbare Voraussetzungen, um im Alltag belastbar zu bleiben und äußeren Einflüssen gewachsen zu sein.

Wer seinen Ernährungsplan klug ergänzen möchte, sollte auf eine Lösung setzen, die sich mühelos in den vollgepackten Alltag integrieren lässt. Dies ersetzt zwar keine gesunde Lebensweise oder medizinische Diagnostik, bildet aber ein starkes Fundament, damit die eigenen biochemischen Kraftwerke jeden Tag die Energie liefern können, die wir für ein aktives Leben brauchen.